Montag, 6. September 2010

Facebook unser Schicksal - Segen oder Fluch?!

Facebook ermöglicht mir, den Kontakt mit meinen Kindern und Freunden im Ausland zu erhalten. Seltsamerweise beantworten sie eher eine Facebook-Nachricht als eine E-Mail. Warum ist das so? Vielleicht, weil Facebook-Nachrichten kürzer sind? Heutzutage soll ja alles schneller sein und wird dabei leider oft oberflächlich. Auch wenn ich mir dieser Tendenz sehr bewusst bin, möchte ich meine Freundschaften im Ausland nicht dafür opfern. Die unzähligen Quiz und Spiele ignoriere ich, denn ich muss ja nicht alles nutzen, was Facebook mir anbietet, sondern kann selbst auswählen.
Wer einmal im Ausland war, kommt nicht mehr an Facebook vorbei. Es stört mich, dass sich viel zu viele auf Facebook permanent emotional ausziehen. Deswegen finde ich es wichtig, den eigenen Umgang mit Facebook zu reflektieren. Es ist schon so, dass Freundschaften und soziale Beziehungen durch Facebook eine andere Dimension bekommen, zumindest besteht diese Gefahr. Aber das ist kein Argument gegen Facebook an sich, sondern kritisiert lediglich den Umgang damit. Und für den ist immer noch jeder Nutzer selbst verantwortlich. Genauso wie eine Facebook-Nachricht kann auch eine E-Mail oberflächlich sein. Die Tiefe einer Freundschaft muss nicht durch das Medium bestimmt werden.
Seit sechs Jahren ist Facebook nun online, und sein Wachstum ungebrochen. Der Anstieg von 300 auf 400 Millionen Facebook-Nutzer dauerte gerade einmal fünf Monate. Im März dieses Jahres hatte Facebook in den USA erstmals mehr Besucher als der bisherige Spitzenreiter Google, mittlerweile liegt der Marktanteil von Facebook.com nach Angaben des US-Datensammlers Experian Hiwise bei über neun Prozent. Unter den Top 10-Suchbegriffen ist "Facebook" viermal vertreten, darunter mit Abstand auf den ersten beiden Plätzen. Bereits im Mai dieses Jahres verbrachten Facebook-Mitglieder jeden Monat über 500 Milliarden Minuten auf der Plattform. Das sind über 20 Stunden pro Mitglied - Tendenz stark steigend. Facebook will das neue Internet werden. Denn alle unsere Internetaktivitäten sollen künftig auch auf Facebook möglich sein - inklusive Spiele, Nachrichten und Suchmaschine. Viele sprechen heute schon vom Kampf der vier Global Player Microsoft, Apple, Google und neuerdings eben auch Facebook. Da die interne Suche von Facebook derzeit stark zunimmt, scheint Google als größter Verlierer aus dem Wettkampf hervorgehen.
Mit vielen Weiteren Funktionen will Gründer Mark Zuckerberg, der die Idee für Facebook angeblich von seinen Kommilitonen geklaut haben soll, die Verweildauer auf seinem Netzwerk weiter ausbauen. Dazu hählen etwa eine erweiterte Mailfunktion mit eigener Facebook-Mailadresse, eine eCommerce-Plattform mit internen Bezahlmöglichkeiten, oder Geolocation-Dienste mit exakter Standortbestimmung der Nutzer. Auch ein Online-Office ähnlich wie Googles "Text und Tabellen" und sogenannte Community-Pages mit Wikipedia-Inhalten und eigenen Texten der Nutzer sind in Planung. Dazu kommt laut Informatiker Christoph Kappes ein "vollpersonalisierter Nachrichtenstrom durch die Kombination aus 'Gefällt mir'-Wertungen, 'Shared Links' und strukturierten Interessen, sozialen Graphen sowie den entsprechenden Aktivitäten der 'Freunde'".
Facebook kennt meine Interessen, meine Freunde, mein Surfverhalten - und scheut sich nicht davor, diese Daten an Partner weiterzugeben. Schreckt das nicht ab?
Natürlich versuche ich, so wenige Daten wie möglich über mich preiszugeben. Mir ist aber auch bewusst, dass nicht nur die Daten gespeichert werden, die ich von mir angebe. Und deswegen würde ich mir nochmal Gedanken darüber machen, welche Konsequenzen das für mcih konkret hat.
Ich schätze, dass sich auch nach diesem Post niemand abmelden wird. Viele winken gelangweilt ab und wollen davon nichts wissen. Ein hoffnungsloser Fall?
Ich denke, dass sich die wenigsten bewusst sind, welche Nachteile und möglichen Konsequenzen das hat. Für viele ist die Gefahr wohl zu surreal, nicht greifb ar genug, als dass sie sie dazu bewegen könnte, etwas so Unterhaltsames wie Facebook aufzugeben. Es ist einfach schwierig zu unterscheiden und momentan schwer abzuschätzen, was Panikmache und was reale Gefahr ist.
Wenn ich nicht genau weiß, was mit meinen Daten passiert - und das weiß ich schon heute nicht -, dann entscheide ich mich im Zweifelsfall lieber dagegen und gehe auf Nummer sicher. Die meisten sehen nur, dass es momentan nicht weh tut, sondern im Gegenteil sogar Spaß macht, Daten von sich preiszugeben. Doch schon heute sind diese Daten im Besitz von Facebook und dessen Partnern, die ich nicht kenne und die Datenschutz als überholt ansehen.
Da gibt es die unwiderruflichen Nutzungsrechte Facebooks. Alle veröffentlichten Daten, Fotos und Videos - die sogar nach Löschung meines Accounts weiter bestehen. Leider liest man sich zu selten die Geschäftsbedingungen durch. Und wer sich die "privacy policy" von Facebook durchlesen will, hat einiges vor sich: mit 5.830 Wörtern sind die Datenschutzrichtlinien länger als die Verfassung der Vereinigten Staaten mit 4.543 Wörtern. Die Nutzer können die Privatsphäre an 50 Stellen verändern und haben dabei über 170 Optionen - wer soll da noch durchblicken?
Trotzdem sollten sich die Nutzer mit den unzähligen Optionen befassen - allein schon, um es den Hackern nicht so leicht zu machen. Erst vor vier Monaten hat ein Hacker 1,5 Millionen Facebook-Konten zum Verkauf angeboten - inklusive der Passwörter. Die Folgen davon können verheerend sein: So werden etwa gefälschte Links über Facebook an ahnungslose Freunde verschickt, die zu manipulierten Webseiten statt zu den angegebenen Videos führen. Eine weitere Gefahr ist die Ortsangabe auf Facebook, die durch Geolocation-Dienste noch präziser wird. Je mehr Mitglieder Zugriff auf das Profil haben, desto mehr wissen über den anstehenden Urlaub oder die neueste Luxusanschaffung Bescheid - ein gefundenes Fressen für Diebe und Einbreche. Die ironisch meinte Webseite pleaserobme.com hat eine Zeit lang öffentliche Statusänderungen nach Urlaubsangaben gefiltert und fein säuberlich aufgelistet, um auf den Leichtsinn der Nutzer aufmerksam zu machen.
Auf dem f8-Gipfel (engl. "fate", dt. "Schicksal") im April dieses Jahres präsentierten Mark Zuckerberg und Co. die Zukunft des Sozialen Netzwerkes oder besser gesagt des gesammten Internets, das zunehmen ineinander verschmiltzt. Hilfreich dabei ist der sogannte "OpenGraph", mit dem man Inhalte von Facebook auf externen Webseiten anzeigen kann und umgekehrt. Durch den "Open Graph" ist auch die Möglichkeit dazugekommen, den "Like"-Button auf andere Webseiten einzubinden.
Der "Like"-Button 
(deutsche Bezeichnung "Gefällt mir") von Facebook ist ein wichtiges Instrument, das bei allen Aktivitäten der Nutzer automatisch erscheint. So können die Nutzer ihren Freunden und allen anderen zeigen, welche Fotos, Quizergebnisse oder Neuigkeiten si mögen. Im jDurchschnitt klicken Facebook-Nutzer etwa neun Mal im Monat auf den Like-Button. Seit april dieses Jahres gibt es ihn nun auf für externe Webseiten außerhalb des Facebook-Universums. Eine Möglichkeit, sein Missfallen, etwa in Form eines "Dislike"-Button, zu bekunden, gibt es nicht
Dadurch sammelt Facebook eine Menge zusätzlicher personenbezogener Daten. Da kann selbst die "Datenkrake Google" nicht mehr mithalten.
"Durch die Verknüpfungen mit anderen Nutzern, Inhalten, Mails, Seiten, Anwendungen und anderem ist die faktische Bindung der Nutzer an die Plattform so hoch, dass Facebook als Marktführer eine kaum angreifbare Stellung erreicht", schreibt Christoph Kappes auf dem Weblog carta. info. Der Blogger Carsten Drees von "Basic Thinking" bringt es auf den Punkt: "Fakt ist (...), dass Facebook möchte, dass absolut alles und absolut jeder miteinander vernetzt wird - und das der Schlüssel dazu Facebook heißt."
Offen hingegen lasse Gründer Mark Zuckerberg die Fragen nach unserer Sicherheit im Netz und den Auswirkungen auf unser Leben, "denn Facebook möchte nicht ein x-beliebiges, austauschbares Netzwerk sei, Facebook möchte unser komplettes Leben mit all seinen Facetten abbilden", so Drees.

Zahlen, Daten, Fakten
Schon heute ist fast jeder zweite Einwohner der Vereinigten Staaten Mitglied von Facebook und fast jeder zweite Internetnutzer weltweit auf dem Sozialen Netzwerk angemeldet. In Deutschland nutzen 10 Millionen Menschen Face-book, das ist jeder achte Einwohner. Die drei VZ-Netzwerke schülerVZ, studiVZ und meinVZ kommen zusammen auf knapp 17 Millionen Mitglieder - doch Facebook holt täglich auf. 
  1. Zu den aktuell 500 Millionen Mitgliedern kommen jeden Monat 30 Millionen hinzu.
  2. 50 Prozent der aktiven Nutzer loggen sich täglich bei Facebook ein.
  3. Mehr als 35 Millionen der Facebook-Nutzer aktualisieren täglich ihren Status. 
  4. Pro Monat werden 3 Milliarden Fotos von Nutzern hochgeladen, pro Sekunde 10 Milliarden Fotos abgerufen.
  5. Der durchschnittliche Nutzer hat 130 Freunde und verbringt 55 Minuten pro Tag auf Facebook.
  6. Facebook nutzt 60.000 Server in seinem Netzwerk, um alle Fotos, Videos und Nachrichten der Nutzer zu speichern.
Wenn ich beobachte, in welche Richtung sich Facebook entwickelt - nämlich zum Monopolisten aller Informationen unseres persönlichen Lebens im Web und weit darüber hinaus -, dann fühle ich mich nicht wohl dabei. Daher hoffe ich auf einen gesunden Wettbewerb seitens der Anbieter und auf einen bewussteren Umgang mit den eigenen Daten seitens der Nutzer.
...mehr, auch zu diesem Thema könnt ihr in pro Christliches Medienmagazin lesen

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